Ein Geschenk für eine Leseratte klingt nach der leichtesten Aufgabe überhaupt: Die Leidenschaft liegt offen, und der Markt hält unendlich viel dafür bereit. Die eigentliche Schwierigkeit beginnt vor dem Bücherschrank. Der Geschmack ist präzise, das Regal ist gut gefüllt, und der Bestseller, auf den du setzen wolltest, ist womöglich schon durchgelesen. Wer hier schenkt, braucht kein neues Objekt, sondern eine Entscheidungshilfe.
E-Reader oder Papier? Bei welchem Titel droht der Doppelkauf? Was taugt am Zubehör, was am Erlebnis? Dieser Ratgeber ordnet alle diese Fragen derselben Leidenschaft unter: dem Lesen.
Die Frage nach dem Medium klingt technisch, ist aber eine Frage nach Gewohnheiten. Ein paar Beobachtungen verraten die Antwort, ohne dass du nachfragen musst. Wird in der Bahn gelesen, im Wartezimmer, auf Reisen? Liegen mehrere Bücher nebeneinander? Wachsen die Stapel über das Regal hinaus, oder ist das Lesen eher ein Feierabendritual im Sessel? Aus den Antworten ergibt sich die Richtung fast von selbst.
E-Reader punkten bei Vielleserinnen und Viellesern, die mobil lesen und nachts nicht das Licht anlassen wollen. Tausende Bücher wiegen nichts, das Display bleibt auch in der Sonne lesbar, und das integrierte Licht stört niemanden im Bett. Die Schriftgröße stellst du selbst ein; wer bislang zu Großdruck-Ausgaben gegriffen hat, liest hier jede Seite in der Größe, die gut passt. Ein Kindle Paperwhite kostet um die 180 € und ist damit ein großes Geschenk, das du besser vorher besprichst als überraschend kaufst. Wer nur etwa ein Buch im Monat liest, braucht dieses Gerät nicht.
Papier bleibt für die anderen. Es ist Ritual, Duft und Regal in einem, es lässt sich verleihen und verschenken und mit Widmung versehen. Manche Lesende mischen: Taschenbuch für unterwegs, das dicke Werk für zu Hause, das Sachbuch auf Papier. Das Entscheidende: Kein Medium ist fortschrittlicher als das andere, aber für jemanden, der das Papier liebt, ist der E-Reader ein Fehlkauf mit Batterie.
Ein Sonderweg ist das Hörbuch, das für manche Menschen dazugehört und für andere das Gegenteil von Lesen ist. Die Grenze verläuft persönlich, nicht objektiv. Wer ein Hörbuch-Abo oder einen Gutschein dafür schenkt, sollte die Haltung der Person dazu kennen. Sonst liegt das Geschenk neben dem Medium, das die Person wirklich liebt, und erzählt stattdessen etwas über dich. Und wenn das Hörbuch zum gemeinsamen Hören oder Vorlesen werden soll, zeigt der Ratgeber zu Geschenken für Senioren, wie man geschenkte Zeit fest einplant.
Doppelt geschenkt ist der peinlichste Fehlgriff, und er passiert leichter als gedacht. Der spannende neue Roman des Herbstes? Gut möglich, dass die Person ihn in der Woche des Erscheinens durchgelesen hat. Die Empfehlung aus der Zeitung? Kann schon zweimal im Regal stehen, einmal davon ungelesen vom Vorjahr. Die Devise lautet deshalb: Titel prüfen, bevor du kaufst.
Fünf Wege führen dorthin, und keiner ist unverschämt:
- Direkt fragen. „Steht das schon bei dir?“ kostet zehn Sekunden und schmälert die Freude nicht. Wer es romantischer mag, fragt nach einer Wunschliste, falls es eine gibt.
- Über Umwege erkunden. Eine kurze Nachricht an Partnerin, Partner, Geschwister oder den engsten Freundeskreis bringt dich dem aktuellen Lesestoff näher, ohne die Überraschung zu verraten.
- Die Lesespuren lesen. Was liegt auf dem Nachttisch, welche Verlage stehen im Regal, welche Reihen fehlen noch? Mit dem nächsten Band einer laufenden Reihe liegst du im Kern richtig, solange die Nummer stimmt.
- Die Richtung statt den Titel schenken. Ein schön gestaltetes Buch zum Hobby der Person, etwa über Wandern, Kochen oder Sterne, führt seltener zum Doppelkauf als der Roman der Saison.
- Auf Zweisamkeit ausweichen. Der Gutschein für die Buchhandlung vor Ort, verbunden mit einem gemeinsamen Nachmittag darin, schenkt Auswahl und Zeit zugleich.
Reihen verdienen einen eigenen Gedanken, denn sie schenken sich selbst über Jahre: ein Band zum Geburtstag, der nächste zu Weihnachten, bis die Geschichte komplett ist. Geschenke, die einem Interesse über längere Zeit folgen, brauchen nur Verlässlichkeit und den Blick dafür, wann die Reihe fertig ist. Wie ein Interesse zum roten Faden über viele Geschenke wird, zeigt auch der Ratgeber zu Geschenken für Teenager.
Bleibt die Frage nach der Widmung. Eine persönliche Zeile macht ein geschenktes Buch zum Andenken, auch wenn die Widmung das Weiterverleihen erschwert. Schreib etwas Zeitloses, keinen Witz über den Inhalt, denn der Witz altert schneller als der Roman. Datum und Name genügen, mehr muss es nicht sein.
Ein Hinweis noch zu Gebrauchtem: Antiquariate und gebrauchte Exemplare sind für Sammlerinnen und Sammler ein Glück, für Geschenke aber heikel. Gebraucht schenkt man, wenn die Person genau dieses vergriffene Werk sucht oder die alte Ausgabe von früher liebt. Ohne diesen Bezug wirkt der abgegriffene Einband wie ein Sparversuch.
Wer das Regal nicht weiter füllen will, schenkt abseits der Neuerscheinungstische. Sachbücher zum Interessengebiet sind der sicherste Pfad: zur Geschichte einer Region, die die Person liebt, zur Küche, die sie erkundet, zur Musik, die sie hört. Das Buch muss nicht aktuell sein; ein gutes Werk von vor zehn Jahren kann gründlicher sein als das schnell geschriebene Saisonwerk.
Kleine Verlage und Übersetzungen sind der zweite Pfad. Im deutschen Buchhandel erscheinen jedes Jahr Neuübersetzungen von Klassikern und Entdeckungen aus anderen Sprachen, die kaum beworben werden und trotzdem begeistern. Wer hier schenkt, zeigt Auswahl und Aufmerksamkeit, gerade weil der Titel nicht auf jeder Liste steht. Die Buchhandlung vor Ort berät gern zu solchen Entdeckungen.
Wer seine Leselust lieber mit Zeitschriften stillt, für den kommt ein Abo infrage. Literaturzeitschriften, Rezensionsorgane oder Magazine zu einem Lesethema erscheinen mehrmals im Jahr und liefern das ganze Jahr über Neues. Der Rahmen liegt je nach Titel zwischen 40 und 90 € im Jahr. Für echte Sammlerinnen und Sammler gibt es die elegante Variante: das Abo als Ankündigung im Geschenkpapier, die erste Ausgabe kommt dann per Post.
Kalender mit Gedichten oder kurzen Texten sind die kompakte Form desselben Gedankens. Sie geben jeden Tag eine Seite Lesestoff und enden mit dem Jahr; bei Buchkalendern bleibt danach ein schmales Buch, das neben den Romanen stehen darf. Für Hörbuch-Fans gelten dieselben Regeln wie im Abschnitt zu E-Reader und Papier: erst die Gewohnheit kennen, dann schenken.
Zubehör ist das Feld, auf dem Geschenke am längsten leben. Ein Lesezeichen aus Metall, eine Leselampe, ein Lesejournal: All das bleibt über Jahre im Einsatz und erinnert mit jeder Benutzung an dich. Es kommt also aufs richtige Stück an.
- Lesezeichen. Der unterschätzte Standard. Ein flaches Metall- oder Magnetlesezeichen hält besser als Papier und verliert sich seltener. Es gibt wunderschöne Ausführungen um die 10 €, und für ein Geschenk ist die Preisklasse genau richtig.
- Lesejournal. Für alle, die Spuren hinterlassen wollen: Titel, Zitate, Gedanken, Lesedatum. Ein gebundenes Notizbuch in A5 mit gutem Papier kostet zwischen 20 und 25 € und füllt sich über Jahre zu einer kleinen Lesebiografie.
- Leselampe. Eine flexible Lampe mit warmem Licht, die man am Bett oder Sessel festklemmt, erspart das grelle Deckenlicht. Akkubetrieb mit USB-Ladung zahlt sich unterwegs aus und erspart Spezialbatterien.
- Buchstützen und Regalhelfer. Unscheinbar, aber stabil im Einsatz. Schwere Bücher brauchen schwere Stützen, und wer viel liest, hat immer ein Werk, das gerade nicht im Regal steht.
- Hülle oder Tasche für den E-Reader. Für digitale Lesende ist das Pendant zum Einband eine Hülle, die das Display schützt und sich gut anfühlt. Für Taschenbücher gibt es denselben Schutz in Form einer Buchhülle aus Stoff.
Ob ein Stück gut ist, erkennst du an drei Merkmalen: Das Material übersteht den Alltag, die Verarbeitung hat keine losen Nähte oder scharfen Kanten, und die Funktion ist simpel. Jedes Lesezubehör, das mehr kann, als seine Kernaufgabe verlangt, etwa eine Lampe mit Bluetooth und Weckfunktion, wetteifert mit dem Smartphone und verliert.
Lesen wirkt still, lässt sich aber auch teilen, und genau da setzen Erlebnisgeschenke an. Die Lesung mit anschließender Signierstunde ist die einfachste Form: Sie dauert einen Abend, kostet zwischen 5 und 20 € Eintritt und verbindet das gelesene Buch mit einem Erlebnis. Wer den Lieblingsautor der Person kennt, hält mit dem Ticket das sicherste Geschenk dieses Ratgebers in der Hand.
Größer gedacht werden Literaturfestivals, deren Tickets je nach Umfang und Ort zwischen 20 und 100 € liegen. Ein Wochenende voller Gespräche über Bücher kann für eine Leseratte der Höhepunkt des Jahres sein, vorausgesetzt, die Termine passen in den Kalender. Manche Städte haben eine historische Lesegesellschaft oder eine Bibliothek mit Führungen; beides ist außergewöhnlicher als der Kinobesuch und näher an der Leidenschaft.
Die kleinste und vielleicht schönste Variante kostet gar nichts: die eigene Vorlesestunde. Ein Kapitel aus dem Lieblingsbuch der Person, ein Glas Wein oder ein Tee dazu, ein Abend ohne Bildschirm. Nicht alle wollen vorgelesen bekommen; wer die Person richtig einschätzt, schenkt damit eine Erinnerung, die kein Gegenstand erreicht. Steckt in der Familie gerade ein Kind im Lesealter, nennt der Ratgeber zu Geschenken für Kinder Buchreihen zum Lieblingsthema und eine stabile Leselampe fürs Bett, die gut zu einer gemeinsamen Vorlesestunde passt.
Am Ende gilt für Leseratten derselbe Grundsatz wie bei jedem guten Geschenk: Die Aufmerksamkeit schlägt den Preis. Ein Lesezeichen mit Geschichte, eine Lesung mit Datum, ein Buch mit Widmung, all das kostet wenig und erzählt der Person, dass jemand ihre Welt gesehen hat. Mehr kann ein Geschenk nicht leisten, und weniger sollte es nicht sein.
Suchst du dagegen zuerst nach Ideen für einen bestimmten Menschen und erst in zweiter Linie nach dem Thema Lesen, helfen die Sammlungen mit Geschenkideen für Männer und Geschenkideen für Frauen weiter. Die Leidenschaft bleibt derselbe Kompass, nur die Auswahl drumherum ändert sich.